Ausblick 2022

Was ist im neuen Jahr zu erwarten?

München, 15 Jan. ’22

Marktrückblick auf 2021 und Ausblick auf 2022:

Im Jahr 2021 beherrschte das Thema „Corona“ weiterhin die Weltpolitik, die Wirtschaft und die internationalen Aktienmärkte. Die Weltpolitik bekämpfte die sich ausbreitenden Delta- und Omikron-Varianten mit breit angelegten Impfkampagnen. Die Wirtschaft erholte sich auch 2021 weiter, musste aber der zunehmenden Globalisierung der letzten Jahre (Jahrzehnte) Tribut zollen, da die Lieferketten anfällig blieben und die internationale Produktion nicht mit der Nachfrage Schritt halten konnte.

Die Erholung der Weltwirtschaft veranlasste auch die Zentralbanken, einen Politikwechsel in Erwägung zu ziehen, was das Gespenst der Inflation aufkommen ließ und die Volatilität an den Aktienmärkten erhöhte. Insgesamt zeigten die Aktienmärkte ein gemischtes Bild. Während die amerikanischen und europäischen Aktienmärkte recht optimistisch waren, zeigten die asiatischen Aktienmärkte sogar Abwärtstendenzen, wie in China.

Als das Containerschiff Evergreen im März den Suezkanal blockierte, kam es zu Verzögerungen in den Lieferketten in aller Welt. Frachtschiffe stauten sich in den Häfen und warteten auf die Einfahrt oder mussten längere Fahrtstrecken in Kauf nehmen. Diese Verzögerungen bekamen auch die Verbraucher zu spüren, insbesondere durch Wartezeiten bei Elektrogeräten und Möbeln.

Die strengen Covid-19-Einreisekontrollen in chinesischen Häfen führten in den folgenden Monaten zu Problemen in der Lieferkette und unterstrichen die Bedeutung Chinas und seiner Politik für die westlichen Großmächte. International tätige Konzerne, aber auch kleine und mittlere Unternehmen dürften dieses Ereignis zum Anlass nehmen, ihre Lieferketten langfristig wieder stärker regional auszurichten.

Just-in-time-abhängige Branchen wie die Automobilindustrie dürften die mit dem „Onshoring“ von Lieferketten verbundenen höheren Kosten in Kauf nehmen, um Produktionsausfälle und -kürzungen reduzieren zu können. Im neuen Jahr dürfte daher das Thema „Logistikoptimierung“ verstärkt auf der strategischen Agenda stehen.

Eng verbunden mit dem Problem der Lieferkette war im vergangenen Jahr die Verknappung von Halbleiterprodukten, teilweise als direkte Folge der raschen Erholung der Weltwirtschaft. Branchen, die aufgrund des Covid-19 ihre Aufträge für Halbleiter-

-produkte im Jahr 2020 storniert hatten (vor allem Maschinen- und Fahrzeughersteller), gerieten nun in Produktionsrückstand und waren bei der Chipvergabe gegenüber Profiteuren wie der Unterhaltungselektronik benachteiligt. Diese Chip-Knappheit wird sich auch im neuen Jahr fortsetzen, und die weltweit wenigen Auftragshersteller von Halbleiterprodukten dürften daher auch 2022 einen Boom erleben und durchaus bereit sein, ihre Preismacht auszuüben.

Auf der politischen Seite lag der Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Covid-19 und der Unterstützung der Wirtschaft. Auf der fiskalischen Seite wurden groß angelegte finanzielle Unterstützungsmaßnahmen angekündigt, wie das milliardenschwere Infrastrukturprogramm von US-Präsident Biden. Die privaten Haushalte verschuldeten sich weiterhin in hohem Maße. Wer die Entwicklung der Immobilienpreise im vergangenen Jahr verfolgt hat, bekommt eine gute Vorstellung davon, wohin große Teile der Neuverschuldung im privaten Sektor geflossen sind.

Diese Entwicklung ist auch den deutschen Behörden aufgefallen, und die Banken werden ihre Kapitalpuffer erhöhen müssen, um die gestiegenen Bewertungsrisiken auf dem Immobilienmarkt bewältigen zu können. Die Immobilienkrise in China, die ihren Ursprung in den Schwierigkeiten des größten Immobilienkonzerns Evergrande hatte, mag hier als abschreckendes Beispiel dienen.

 

Auch wenn 2021 weiterhin pessimistische Themen vorherrschten, war es unter dem Strich ein erfolgreiches Jahr für die Aktienmärkte. Die europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkte legten um rund ein Viertel zu. Auch die Rohstoff- und Immobilienanleger waren recht zufrieden, denn der Wert ihrer Anlagen stieg teilweise um mehr als ein Drittel.

Für das neue Jahr 2022 erwarten wir, dass die Anleger verstärkt Kapital zugunsten von Value-Titeln allokieren und Gewinne in Wachstumswerten realisieren werden – dieser Trend zeichnet sich bereits in den ersten Tagen des Jahres 2022 ab.

In Bezug auf die Bewertungen sehen wir Aufholpotenzial für die europäischen und asiatischen Aktienmärkte. Aus sektoraler Sicht sollten sich die Wachstumsbranchen spätestens in der zweiten Jahreshälfte von den anfänglichen Gewinnmitnahmen im neuen Jahr erholen und der Aktienmarkt sollte sich auf die rezessive Notenbankpolitik eingestellt haben. Insgesamt dürfte die Volatilität an den Aktienmärkten jedoch hoch bleiben, da Covid-19, China, die Inflation und auch politische Krisenherde wie der China-Taiwan- oder der Russland-Ukraine-Konflikt auch im Jahr 2022 ein Thema sein werden.

Schlussfolgerung

Für das Jahr 2022 bleiben wir positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Ein Mix aus Wachstums- und Substanzwerten sowie thematisch und regional ausgewählten Sektor-investments bleibt der Kern unserer Portfoliostrategie. Bei den Edelmetallen erwarten wir im neuen Jahr eine (unserer Meinung nach) seit Monaten überfällige Werterholung und bleiben daher investiert.

Zur Steuerung des Marktrisikos und der Aktienquote wird im neuen Jahr neben einer höheren Cash-Quote selektiv eine Umschichtung in Wandelanleihen und inflationsgeschützte Anleihen vorgenommen.

Als übergeordnetes Ziel wünschen wir jedoch allen unseren Kunden, Geschäftspartnern und Interessenten ein erfolgreiches und gesundes Jahr 20222.

 

Artikel von Markus Polz

Head of Asset Management bei CM-Equity AG

 

 

 

 

Disclaimer

 

Editor’s Pick

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem Newsletter direkt in Ihrem Posteingang